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Wie ist "das neue" nur zu fassen - ...

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am 19.07.2009 geschrieben am 19.07.2009 geschrieben

Ausgangsfrage: In wie weit läßt sich Zukunft überhaupt bestimmen, vorausdenken oder gar berechnen?
Zwingt nicht "das Neue"", als zentrales Unterscheidungskriterium für die Feststellung von Zukunft in unserer Gesellschaft, das Zukunft unberechenbar bleiben muss? Ansonsten wäre sie nicht wirklich neu, sondern stets schon redundant.

"Die Zukunft garantiert nun, dass die Welt (in gesellschaftlichen Kommunikationsprozessen, Ergänzung durch M.A.) unverständlich ist - und bleibt" (Niklas Luhmann in Gesellschaft der Gesellschaft, S. 1007).
Neues ist somit immer radikal anders - und rätselhaft. Selbst die Neuigkeit des Neuen ist da schon redundant. Unsere Gegenwart ist der flüchtige Ort, wo Vergangenheit von Zukunft unterschieden wird.
Im Ergebnis erleben wir eine permanente Beschleunigung der Zeit beim fortlaufenden Übergang von neu (Informantion) zu alt (bekanntem Wissen).

Was bedeutet dies für "klassische" (erkenntnissuchende) Konstruktionen wie Kausalität und Determination? Wie organisieren wir vor diesem Hintergrund Selektionen, fällen (gesellschaftlich relevante) Entscheidungen? Und was bietet dabei noch Orientierung?

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am 21.07.2009 geschrieben am 21.07.2009 geschrieben

Moritz Avenarius:

Ausgangsfrage: In wie weit läßt sich Zukunft überhaupt bestimmen, vorausdenken oder gar berechnen?
Zwingt nicht "das Neue"", als zentrales Unterscheidungskriterium für die Feststellung von Zukunft in unserer Gesellschaft, das Zukunft unberechenbar bleiben muss? Ansonsten wäre sie nicht wirklich neu, sondern stets schon redundant.

"Die Zukunft garantiert nun, dass die Welt (in gesellschaftlichen Kommunikationsprozessen, Ergänzung durch M.A.) unverständlich ist - und bleibt" (Niklas Luhmann in Gesellschaft der Gesellschaft, S. 1007).
Neues ist somit immer radikal anders - und rätselhaft. Selbst die Neuigkeit des Neuen ist da schon redundant. Unsere Gegenwart ist der flüchtige Ort, wo Vergangenheit von Zukunft unterschieden wird.
Im Ergebnis erleben wir eine permanente Beschleunigung der Zeit beim fortlaufenden Übergang von neu (Informantion) zu alt (bekanntem Wissen).

Was bedeutet dies für "klassische" (erkenntnissuchende) Konstruktionen wie Kausalität und Determination? Wie organisieren wir vor diesem Hintergrund Selektionen, fällen (gesellschaftlich relevante) Entscheidungen? Und was bietet dabei noch Orientierung?


Ich hatte in der Schule leider nie Philosophie, was ich sehr bedaure, und sehe die Frage nach der Zukunft recht pragmatisch.

Will ein Unternehmen Entscheidungen treffen, die wichtig sind für das Unternehmen und bis weit in die Zukunft Konsequenzen nach sich ziehen werden (z.B. der Bau eines Kraftwerks, das über 20 Jahre amortisiert werden muss), dann werden unterschiedliche Methoden angewandt um Unsicherheiten zu bewerten und abzusichern.

Z.B. gibt es folgende Methoden:

- Expertenbefragung: http://de.wikipedia.org/wiki/Delphi-Methode
- Szenariotechnik: http://de.wikipedia.org/wiki/Szenariotechnik
etc.

Die Grundsätzlichen Methoden lassen sich natürlich mit entsprechender Akribie verfeinern, aber nie perfektionieren. Ich denke es wird immer Unsicherheit geben, da es einfach zu viele Unbekannte gibt (die Menschheit weiß z.B. so wenig über mögliche Gefahren aus dem Weltall und wäre vermutliche auch total hilflos, wenn auf einmal ein schwarzes Loch oder ein Meteorit auftauchten...).

Ich denke die Gesellschaft wird ähnlich organisiert (wenn auch häufig nicht so objektiv) wie ein Unternehmen.
Was der Gesellschaft in den meisten Ländern fehlt sind die Visionen (Utopien) und die entsprechenden langfristig orientierten Strategien, die für jedes Unternehmen selbstverständlich sind.
In China versucht man über 5 Jahrenspläne und ähnliches solche Strategien vorzugeben, was aber bisher nicht immer funktioniert.
...
Ein großes Problem, denke ich, ist die Volatilität des öffentlichen Interesses oder dass wir es nicht schaffen Probleme zu lösen solange die Öffentlichkeit Interesse zeigt. Es gilt also das öffentliche Interesse weniger volatil zu machen und die Problemlösung zu beschleunigen + transparenter zu machen.

mfg
Friedrich

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am 17.09.2009 geschrieben am 17.09.2009 geschrieben

Moritz,
das ist fastg deckungsgleich auch mein Thema. habe es hier für übermorgen mal mit ein paar links zusammengesfasst: pdf
heiner

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am 20.09.2009 geschrieben am 20.09.2009 geschrieben

Danke für das interessante Camp

Möchte Euch noch einen Text zukommen lassen, den ich heute von J. Suijkerbuijk erhalten habe.

Auf bald, liebe Grüsse
Thorsten

Individualität und Gruppen

Gruppenbildung hat es immer schon gegeben. Sie gehört zu unserem Leben:
Bisher lebten die Menschen überall in einem Kollektivbewusstsein, was ihr
Leben in jeder Hinsicht prägte. Ein individuelles Bewusstsein ist dagegen
etwas ganz Neues und fängt erst langsam an zu keimen. Auch wenn schon viele
Menschen ihr Leben selbst in die Hand nehmen, sich ihre eigenen Gedanken
machen und persönliche Entscheidungen treffen, so ist dies doch nur der
Anfang einer weitgehenden Veränderung, die dazu führt, dass jeder Mensch
lernt, sich individuell mit seinem kreativen Potenzial zu leben.
Gruppenbewusstsein ist eine besondere Qualität des Wassermannzeichens, und
seine Grundlage findet es im ausgeprägten Selbstbewusstsein des Löwen: Das
Individuelle ist die Grundlage der neuen Gruppen, die sich auf dem
gemeinsamen kreativen Potenzial einzelner Menschen aufbauen.
Das Hauptmerkmal zukünftiger Gruppen ist nicht nur, dass sie Menschen
auffangen und unterstützen (auch wenn dies immer ein Aspekt von Gruppen ist
und bleiben wird), sondern sie sind gleichzeitig Sammelbecken UND Quelle für
Inspiration und Kreativität, weil jede zugehörige Person ihre ganz
individuellen Ideen und Möglichkeiten einbringt und gleichzeitig aus dem
gemeinsamen Potenzial schöpft. Jeder Mensch macht die Gruppe zu einer
anderen Gruppe, ergänzt das Vorhandene mit den eigenen Ansätzen, Gedanken
und Möglichkeiten. Die Gruppe wird zu einem Ort, an dem man die
individuellen Ideen mit anderen teilt und einen gemeinsamen Prozess des
Wachsens daraus entstehen lässt.

Individualität widerspricht nicht der Idee von Gruppen, außer in dem
Stadium, in dem die Individualität aufgebaut wird und jemand lernen sollte,
sich nur nach den eigenen Wahrnehmungen und Erlebnissen zu richten. Wenn
Menschen ihre Individualität erfahren und sich ihr Leben nur noch nach den
eigenen Ideen und Wünschen eingerichtet haben, fällt es ihnen oft schwer
diesen Zustand teilweise wieder aufzugeben und sich nach Gruppenansätzen und
-ideen zu richten.
Vielleicht erschweren es einem vergangene Erfahrungen, sich Gruppenprozessen
zu öffnen; zu groß ist die Angst, die gerade gefundene Individualität mit
allen befreienden Erkenntnissen und Erfahrungen, wieder zu verlieren, wenn
man sich einer größeren Ordnung unterordnet - statt zu verstehen, dass man
sich mit der Individualität einordnet. Dies einzusehen braucht oft lange und
bis dahin befindet sich ein Mensch in einer Zwischenphase, in der er
vielleicht viele Gruppen besucht, wieder verlässt und neue ausprobiert. Er
tut dies so lange, bis er verstanden hat, dass Gruppen ihm nichts wegnehmen
können, wenn er mit dem richtigen Bewusstsein dorthin geht. Das 'richtige
Bewusstsein' beinhaltet, alte Muster - die viel prägender sind als man
meistens erlebt oder wahrhaben will - wie Zwänge, negative Bewertung von
Gruppen (wie Familienstrukturen, politische Modelle), zu verabschieden und
zu erfahren, dass Gruppen einen kreativen und die eigene Identität
fördernden Charakter haben. Meist findet jemand erst dann die 'richtige'
Gruppe, wenn er verstanden hat, dass er selbst bestimmt, was er von einer
Gruppe bekommt und was er gibt, weil er eine Gruppe mit seinem Dasein prägt
und verändert.
Wenn das Licht der Seele stärker wird, dann erst erkennt ein Mensch, dass er
seine Individualität - mit der er seine Identität verbindet - nicht
verlieren kann, wenn er sich für Gruppen und deren Möglichkeiten öffnet. Im
Gegenteil, er wird dann erfahren, dass gerade Gruppen ihm ermöglichen, seine
Identität in vielen Facetten und in ihrer ganzen differenzierten Schönheit
zu erleben.
Der Weg zu diesem bereichernden Wechselwirken zwischen Individualität und
Gruppen ist nicht leicht. Es setzt ein langes Stadium der Selbsterkenntnis
voraus, in dem ein differenziertes Wissen um die eigene Struktur, eine
Bereitschaft alles im Leben als eigene Grundlage anzusehen und
dementsprechend die Verantwortung dafür zu tragen, aufgebaut wird. In diesem
Stadium wächst der Einfluss der Seele, wodurch nach und nach ein Verstehen
und Einsehen in ein neues Gruppenbewusstsein entsteht. Wenn der Mensch dazu
lernt, sich zu dezentralisieren und eine Idee davon bekommt, was er durch
das Wechselwirken zwischen Gruppe und seiner Individualität bekommt, dann
kann das Stadium eines befreienden Gruppenbewusstseins erreicht werden.
Es ist ein Prozess des in Gleichklang Bringens zwischen der eigenen
Individualität und der Gruppen-Energie - und niemals ein Sich-Aufgeben! Erst
wenn man bewusst das Gesetz des Opfers anwendet, verzichtet man zwar zu
Gunsten der Gruppe auf individuelle Aspekte, sogar auf individuelle
Entwicklung, aber dies wird jetzt nicht als Identitätsverlust erlebt.

Heute befinden wir uns in einem schwierigen Zwischenstadium. Ein erstes
Erleben von Individualität ist bei vielen Menschen hier im Westen vorhanden,
aber dies führt zu einem Ablehnen jeglicher Art von Bevormundung, ohne dies
durch eine eigene kreative und dadurch mitbestimmende Lebenshaltung zu
ersetzen. Was der Staat macht, empfindet man häufig als nicht mehr richtig,
aber gleichzeitig erwartet man, dass die Politiker unsere Probleme lösen,
damit wir endlich wieder ruhiger und auf einer stabilen wirtschaftlichen
Basis unser neues individuelles Leben führen können. Weltweit erleben wir
diesen Umbruch auch in vielen anderen Ländern – einschließlich den
islamischen Staaten und auch China. Viele politische und wirtschaftliche
Schwierigkeiten lassen sich auf diesen Konflikt zwischen Individualität und
Gruppen, oft auch in Form von Gruppenkonflikten zwischen Minderheiten in
einer bestehenden Kollektivstruktur, zurückführen.

_____________________

Wir sollten im Bewusstsein halten, wie viel Gutes täglich weltweit geleistet
wird, gerade auch von vielen unbekannten kleinen Gruppen und Einzelpersonen.
Solange die Menschen sich mehr mit ihren Begrenzungen als mit ihren schönen
und guten Seiten identifizieren, werden auch die Nachrichten entsprechend
sein und 'Wissen, was in der Welt los ist' bedeutet dann, 'Wissen, was an
Schwierigkeiten, leidvollen und unguten Situationen, an Missständen
vorhanden ist'. Wer anders denkt und eine positive Welt vor Augen hat,
sollte dies auch im Bewusstsein an erster Stelle halten und durch diese
Haltung alle Menschen und Gruppen unterstützen, die dabei sind, die Energie
einer neuen menschlicheren Welt durch ihre Aktivitäten zu verankern.

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