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Beispiele für Web2.0 Anwendungen im Sozialen ...

AutorBeitrag

am 17.07.2009 geschrieben am 17.07.2009 geschrieben

Anne Wangrin:


Austausch & Bewertungsmechanismen:
... Ich persönlich halte nichts von Bewertungen. Jeder von uns hat aus seiner Perspektive Recht - nur einer kann sich besser ausdrücken als der andere. Daher wird auf weltretter.org nicht bewertet, mit welcher "richtigen" Idee wir die Welt retten, stattdessen werden alle konstruktiven Ideen bei der Gründung unterstützt.



Da scheint mir ein grundlegendes Missverständnis vorzuliegen, was den Begriff "Bewertung" angeht. Qualitative Bewertung bedeutet, eben nicht nur die "richtig/falsch"-Dimension zu betrachten, sondern auch andere Dimensionen (spannend? wichtig? hilfreich? emotional bewegend? sachlich? im Idealfall: usergenerierte Dimensionen...). Bewertungen geben natürlich individuelle Perspektiven wieder, und es geht nicht darum, aus diesen eine "objektiv gültige Bewertung" abzuleiten ("Diese Idee IST objektiv richtig.", "Dieses Video IST ein 3-von-5-Sterne-Video."), sondern darum, diese zueinander in Beziehung zu setzen. Wenn viele Menschen viele Ideen nach verschiedenen Kriterien bewerten, kann dies z.B. helfen, folgende Dinge herauszufinden:

- Welche User haben ähnliche Bewertungsmuster (in Bezug auf mehrere Inhalte)? Wer interessiert sich für ähnliche Dinge wie ich? Inwiefern unterscheidet sich die Bewertung durch andere User von meiner Bewertung?
- Welche Inhalte werden von Usern, die ähnliche Bewertungsmuster haben wie ich, "positiv" bewertet? Welche Inhalte sind für mich vermutlich relevant?
- Welche Inhalte werden von Usern, die ähnliche Bewertungsmuster haben wie ich, anders bewertet als von mir? Welche Inhalte liefern vermutlich Anlass für eine für mich spannende Diskussion?
- Welche Typen von Bewertungsmustern gibt es? Von welchen Typen wird ein Inhalt wie bewertet und warum?

In erster Linie sollen, mit Hilfe einfacher Bewertungsmechanismen, Inhalte auf individuelle Bedürfnisse/Interessen hin abgestimmt zur Verfügung gestellt werden können (eine flexible "iTunes Genius"-Funktion für Webinhalte).

Beispiel: Auf weltretter.org gibt es eine Fülle spannender und verfolgenswerter Projekte. Es scheint mir aber kaum möglich, mit möglichst geringem Aufwand aktiv herauszufinden, welche dieser Projekte ich interessant finde. Und: Je weiter die Plattform wächst, umso weniger werde ich das schaffen, umso größer werden Orientierungslosigkeit und gefühlte Beliebigkeit (das gilt auch für so ziemlich jeden längeren Foren-Thread). Eine Anreicherung der Projektdaten durch individuelle Bewertungen, die dann intelligent verwendet werden, könnte vielleicht gegensteuern.

Übrigens: Die Aussage
Anne Wangrin:


Ich persönlich halte nichts von Bewertungen.


ist eine (aus selbstreferenziellen Gründen recht absurde) Bewertung

Viele Grüße
Jan

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am 17.07.2009 geschrieben am 17.07.2009 geschrieben

Jan Arpe:


Anne Wangrin:


Ich persönlich halte nichts von Bewertungen.



ist eine (aus selbstreferenziellen Gründen recht absurde) Bewertung


wieso ist das absurd? versteh ich nicht.

ich sehe es ähnlich wie anne. etliche seiten haben bewertungselemente, mit denen inhalte zwischen rot und grün, - 3 und +3 oder 0 - 5 sterne bewertet werden. hilft mir das? in der regel nicht, weil nicht klar ist, ob die bewerter sich über den inhalt ärgern oder über die umsetzung, oder ob sie den inhalt toll finden, obwohl sie keinen blassen schimmer haben und der inhalt blödsinn ist.

wenn überhaupt bewertung, dann nur mit einer gewichtung, wie nah mir der bewerter ist. dann kann ich zumindest einschätzen, warum eine bewertung so oder so ausfällt. gibt es das schon: gewichtung nach der nähe/intensität der (digitalen) beziehung?

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am 17.07.2009 geschrieben am 17.07.2009 geschrieben

niels boeing:

Jan Arpe:


Anne Wangrin:


Ich persönlich halte nichts von Bewertungen.



ist eine (aus selbstreferenziellen Gründen recht absurde) Bewertung


wieso ist das absurd? versteh ich nicht.



Ich glaube hier liegt ein Missverständnis vor.

Jan ist (soweit ich es verstanden habe) Verfechter neuer Bewertungsmethoden, die eben nicht nur eindimensional sind und nach Möglichkeit auch nicht rein auf Auswertung statistischer Daten beruhen, sondern bewusst von Benutzern mit bestimmt werden.

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am 17.07.2009 geschrieben am 17.07.2009 geschrieben

niels boeing:

Jan Arpe:

Anne Wangrin:

Ich persönlich halte nichts von Bewertungen.

ist eine (aus selbstreferenziellen Gründen recht absurde) Bewertung

wieso ist das absurd? versteh ich nicht.

Weil die Aussage selbst eine Bewertung ist. Absurd in dem Sinne wie die Aussage "Diese Aussage ist keine Aussage." oder die Feststellung "Ich weiß, dass ich nichts weiß."

Jan Arpe:

Da scheint mir ein grundlegendes Missverständnis vorzuliegen, was den Begriff "Bewertung" angeht. ... es geht nicht darum, aus diesen eine "objektiv gültige Bewertung" abzuleiten ("Diese Idee IST objektiv richtig.", "Dieses Video IST ein 3-von-5-Sterne-Video."), sondern darum, diese zueinander in Beziehung zu setzen.

niels boeing:

etliche seiten haben bewertungselemente, mit denen inhalte zwischen rot und grün, - 3 und +3 oder 0 - 5 sterne bewertet werden. hilft mir das? wenn überhaupt bewertung, dann nur mit einer gewichtung, wie nah mir der bewerter ist.

Dann sind wir uns doch eigentlich einig, oder?

Friedrich Brandi:

Ich glaube hier liegt ein Missverständnis vor.

Jan ist (soweit ich es verstanden habe) Verfechter neuer Bewertungsmethoden, die eben nicht nur eindimensional sind und nach Möglichkeit auch nicht rein auf Auswertung statistischer Daten beruhen, sondern bewusst von Benutzern mit bestimmt werden.

So ist es. Danke, Friedrich, für die Klärung!

am 17.07.2009 von Jan Arpe bearbeitet.

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am 17.07.2009 geschrieben am 17.07.2009 geschrieben

@Jan Arpe
Alles klar, danke für die detaillierte Antwort. Das Matching spielt natürlich auch für weltretter.org eine relevante Rolle. Dabei geht es dann nicht um richtig/falsch, sondern wie finden für gleiche Themen interessierte Personen zusammen.

Wortspiele: Ich denke ihr wisst, was ich sagen wollte

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am 18.07.2009 geschrieben am 18.07.2009 geschrieben

Wenn wir uns also auf Bewertungen als "notwendig" einigen, würde ich dennoch gerne
wissen, wo dann das Zuküfntige entsteht. Messen wir nicht nach alten Kriterien?
Selbstreferentiell finde ich, ist ein passender Begriff.
Wenn ich in ein GlobalFutureCamp eintrete, will ich durch das Zusammensetzen
vieler Dinge, etwas Neues erkennen können.
Vielleicht ist "Bewertung" zunächst eine grundlegende Voraussetzung für Orientierung, schließlich nehmen wir alle selektiv wahr. Das führt mich dennoch zu meiner alten Frage: Bewertung ja, was aber folgt dann?

Ein Beispiel: Überwindung der Finanzkrise:
Es gibt zahlreiche Ansätze, diese zu überwinden. Alle möglichen Protagonisten ziehen
Lösungen aus dem Hut, die dann von anderen (i.d.R. widerstrebenden) Gruppen bewertet
werden. Es beginnt das Gegeneinanderhalten von Strategien. Ein innovatives "Darüber-hinaus"
fehlt aber. Bewertungen verursachen Altes als Lösung. Aus Netzen und Vielem müsste aber doch
Neues enspringen. Ein neuer Gesellschaftsvertrag? Davon spüre ich nichts.

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am 18.07.2009 geschrieben am 18.07.2009 geschrieben

Anke Knopp:

Wenn wir uns also auf Bewertungen als "notwendig" einigen, würde ich dennoch gerne
wissen, wo dann das Zuküfntige entsteht. Messen wir nicht nach alten Kriterien?
Selbstreferentiell finde ich, ist ein passender Begriff.
Wenn ich in ein GlobalFutureCamp eintrete, will ich durch das Zusammensetzen
vieler Dinge, etwas Neues erkennen können.
Vielleicht ist "Bewertung" zunächst eine grundlegende Voraussetzung für Orientierung, schließlich nehmen wir alle selektiv wahr. Das führt mich dennoch zu meiner alten Frage: Bewertung ja, was aber folgt dann?

Ein Beispiel: Überwindung der Finanzkrise:
Es gibt zahlreiche Ansätze, diese zu überwinden. Alle möglichen Protagonisten ziehen
Lösungen aus dem Hut, die dann von anderen (i.d.R. widerstrebenden) Gruppen bewertet
werden. Es beginnt das Gegeneinanderhalten von Strategien. Ein innovatives "Darüber-hinaus"
fehlt aber. Bewertungen verursachen Altes als Lösung. Aus Netzen und Vielem müsste aber doch
Neues enspringen. Ein neuer Gesellschaftsvertrag? Davon spüre ich nichts.




Vielleicht ist das Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit zu hoch, um sich tasächlich selbst in Bewegung zu setzen - da hilft dann auch das Netz nicht weiter:

In der aktuellen "brandeins" hat Wolf Lotter seine Gedanken dazu zu Papier gebracht.

http://www.brandeins.de/home/inhalt_detail.asp?id=3045&MenuID=8&MagID=115&sid=su7476151833758069&umenuid=1

Die ganze Ausgabe zum Thema Stabilität ist m.E. lesenswert und gewährt einem den Blick auf eine Menge verändernde Bewegung. Vieleicht ist einiges übertragbar.

Einen schönen Sonntaq

Ulla










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am 20.07.2009 geschrieben am 20.07.2009 geschrieben

Ulla Keienburg*:

Anke Knopp:

Wenn wir uns also auf Bewertungen als "notwendig" einigen, würde ich dennoch gerne
wissen, wo dann das Zuküfntige entsteht. Messen wir nicht nach alten Kriterien?
Selbstreferentiell finde ich, ist ein passender Begriff.
Wenn ich in ein GlobalFutureCamp eintrete, will ich durch das Zusammensetzen
vieler Dinge, etwas Neues erkennen können.
Vielleicht ist "Bewertung" zunächst eine grundlegende Voraussetzung für Orientierung, schließlich nehmen wir alle selektiv wahr. Das führt mich dennoch zu meiner alten Frage: Bewertung ja, was aber folgt dann?

Ein Beispiel: Überwindung der Finanzkrise:
Es gibt zahlreiche Ansätze, diese zu überwinden. Alle möglichen Protagonisten ziehen
Lösungen aus dem Hut, die dann von anderen (i.d.R. widerstrebenden) Gruppen bewertet
werden. Es beginnt das Gegeneinanderhalten von Strategien. Ein innovatives "Darüber-hinaus"
fehlt aber. Bewertungen verursachen Altes als Lösung. Aus Netzen und Vielem müsste aber doch
Neues enspringen. Ein neuer Gesellschaftsvertrag? Davon spüre ich nichts.




Vielleicht ist das Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit zu hoch, um sich tasächlich selbst in Bewegung zu setzen - da hilft dann auch das Netz nicht weiter:

In der aktuellen "brandeins" hat Wolf Lotter seine Gedanken dazu zu Papier gebracht.

http://www.brandeins.de/home/inhalt_detail.asp?id=3045&MenuID=8&MagID=115&sid=su7476151833758069&umenuid=1

Die ganze Ausgabe zum Thema Stabilität ist m.E. lesenswert und gewährt einem den Blick auf eine Menge verändernde Bewegung. Vieleicht ist einiges übertragbar.

Einen schönen Sonntaq

Ulla


@Anke:
Hallo Anke,

Die Spieltheorie erklärt viele der Verhaltensweisen, die sich auf der gesellschaftlichen und politischen Ebene gerade auch im Rahmen der von Dir angesprochenen Krise zeigen. Wenn Du Dich damit noch nicht beschäftigt haben solltest, kann ich Dir das nur empfehlen -mir hat die Spieltheorie vieles klarer gemacht.

Ein neuer Gesellschaftsvertrag für die Welt (eine Weltverfassung) ist in meinen Augen unbedingt nötig! Konkret wäre das z.B. eine per globalem Referendum zu verabschiedende demokratische UN Charter, die keinen Sicherheitsrat mehr vorsieht.

Zum Thema selbstreferenziell: "Tell people something they know already and they will thank you for it.
Tell them something new and they will hate you for it." Georg Monbiot

@Ulla:
Du hast absoltut recht. Es geht uns hier im "Westen" zu gut.

Entweder man öffnet den Menschen die Augen, wie schlecht es anderen Menschen auf unserem Planeten geht, auf deren Kosten wir leben, oder man führt ihnen einmal vor Augen in welche Richtung wir uns bewegen - es geht nicht darum den Status quo mit einem Zukunftsszenario zu vergleichen, sonder darum die unterschiedlichen Zukunftsszenarien miteinander zu vergleichen.

Meiner Meinung nach wird das "race to the bottom" (auch bei anhaltendem technischen Fortschritt, der in der Vergangenheit die Folgen des "race to the bottom" extrem gelindert hat,) zu extremen ökonomischen, ökologischen, sozialen und schlussendlich auch politischen Krisen führen. Mir wäre es lieber wir würden jetzt agieren und dem rechtzeitig entgegenwirken

mfg
Friedrich

ps: Der Brandeins-Link funktioniert leider nicht. Man kann den Artikel aber noch lesen, wenn man sich durch das Menue klickt. (hab ihn noch nicht gelesen)

am 20.07.2009 von Fred Brandi bearbeitet.

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am 20.07.2009 geschrieben am 20.07.2009 geschrieben

Dieser Beitrag wurde von Fred Brandi am 20.07.2009 gelöscht.

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am 21.07.2009 geschrieben am 21.07.2009 geschrieben

Viel Bewegung, wenig Web 2.0 steckt zum Beispiel im World Forum for Acoustic Ecology. Dort setzen sich seit Jahrzehnten Aktivisten auf allen Kontinenten für umweltverträgliche akustische Verhältnisse auf dem Land in den Städten und in der Industrie ein. Das Netzwerk kommuniziert fast auschließlich über das Internet: http://interact.uoregon.edu/MediaLit/wfae/home/ . Allerdings spielen hier Mailinglisten und Newsletter die größte Rolle. Vielleicht könnten wir denen auch nützlich sein, indem wir sie durch clevere Web 2.0 Infrastruktur unterstützen. Mit dem World Tune Projekt haben wir auch web 2.0 typisch Ende der Neunziger schon mal kooperiert mit denen: http://www.worldtune.com. Diese Community entstand eigentlich fasst ausschließlich über das Web.

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