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Beispiele für Web2.0 Anwendungen im Sozialen ...

AutorBeitrag

am 15.07.2009 geschrieben am 15.07.2009 geschrieben

Jan Arpe:

...Prof. Kruse von nextpractice, der sagt, dass Vernetzung und Erregung im Web 2.0 hervorragend klappen, es aber keine qualitativen Bewertungsmechanismen gibt.


Das Thema beschäftigt mich auch. Zur Zeit denke ich, dass die benötigten "qualitativen Bewertungsmechanismen" weniger durch eine mathematische Lösung kommen werden, sondern durch gute, methodische Workflows, die die Intelligenz der Vielen sinnvoll anzapft.

An deiner Session habe ich auf jeden Fall großes Interesse. Ich kann auch von ersten Versuchen berichten, wie wir qualitativen Bewertungsmechanismen in unseren Projekten (BürgerForum) austesten.

Hans

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am 15.07.2009 geschrieben am 15.07.2009 geschrieben

Ulla Keienburg*:

http://www.facebook.com/home.php#/Kelloggcares?ref=mf



Ein weiteres Beispiel, was eine soziale Kampagne im WEB 2.0 bewegen kann.


Gruß Ulla


Liebe Ulla,

für mich bewegt sich da relativ wenig.

Im Zentrum steht wohl eher die Vermarktung von Kellogs.
An nächster Stelle folgt ein gutes Gewissen für die Spender (-Spender nicht Aktivisten).
Und an letzter Stelle kommt der Tropfen auf den heißen Stein.

Nichts desto trotz ist es ein schönes Beispiel dafür, wie sich Bewegungen durch geschickte Kooperationen mit großen Firmen Kapital und Gehör verschaffen können.

Deshalb Danke!

mfg
Friedrich

am 15.07.2009 von Fred Brandi bearbeitet.

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am 16.07.2009 geschrieben am 16.07.2009 geschrieben

Ich verfolge die Diskussion mit sehr großem Interesse. Versuche die Ansätze einzuordnen. Aber:
Mein Unbehagen wächst mit der Frage, was genau ist das Ziel? Soziale Bewegungen im Netz
oder auch Netzcommunities w o l l e n doch etwas, oder sehe ich das falsch? Vorteil dieser Schwarmintelligenz ist doch das Zusammentreffen auf einer großen Fläche, die ohne Technik kaum herzustellen wäre. Dort trifft man dann auf einen Pool an Ideen, Kreativität, Kritik und Austausch.
Und dann? Vielleicht fehlt mir die Erfahrung oder der Einblick. Oder ich bin zu politisch mit dem Gedanken, etwas gestalten oder verändern zu wollen. Es bleibt dabei: Was entsteht am Ende?

LG
Anke

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am 16.07.2009 geschrieben am 16.07.2009 geschrieben

Anke Knopp:

Was entsteht am Ende?


Hallo Anke,

ich sehe 2 Wirkungswege:

(1) Diffusion: Die gedankliche Bewegung vieler Menschen ändert das Denken der vielen Einzelnen. Insgesamt verändern sich die Prioritäten für Handlungen.

(2) Kollektive Aktion: In diesem Getümmel von Gedanken können sich einzelne Initiativen bilden, die direkte, messbare Resultate erarbeiten. Z.B. kann eine Regierung ein akutes Thema zum Gegenstand eines Online-Dialogs machen, der aggregierte, fokussierte Empfehlungen abgibt.

Weg 1 ist zur Zeit noch realistischer. Weg 2 erfordert politisch und methodisch sehr viel Engagement. Aber mit http://mixedink.com/opengov/ gibt es auch erste Beispiele.

Hans

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am 16.07.2009 geschrieben am 16.07.2009 geschrieben

Hans Hagedorn:

Weg 1 ist zur Zeit noch realistischer. Weg 2 erfordert politisch und methodisch sehr viel Engagement. Aber mit http://mixedink.com/opengov/ gibt es auch erste Beispiele.

Hans


Hallo Hans,

danke für den Link, das sieht nach einem sehr vielversprechenden Projekt aus. Die Obama Administration setzt erfreulicherweise auch nach der Wahl hier Maßstäbe. Bin gespannt, was da naoch alles kommt demnächst.

Grüße Moritz

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am 16.07.2009 geschrieben am 16.07.2009 geschrieben

Anke Knopp:


Mein Unbehagen wächst mit der Frage, was genau ist das Ziel? Soziale Bewegungen im Netz
oder auch Netzcommunities w o l l e n doch etwas, oder sehe ich das falsch? Vorteil dieser Schwarmintelligenz ist doch das Zusammentreffen auf einer großen Fläche, die ohne Technik kaum herzustellen wäre. Dort trifft man dann auf einen Pool an Ideen, Kreativität, Kritik und Austausch.
Und dann? Vielleicht fehlt mir die Erfahrung oder der Einblick. Oder ich bin zu politisch mit dem Gedanken, etwas gestalten oder verändern zu wollen. Es bleibt dabei: Was entsteht am Ende?


ich finde, du stellst die entscheidenden fragen. mein problem mit online-communities und web 2.0 ist die selbstreferenzialität. ein endloses querverweisen und erörtern der plattformen.

sowohl aus einigen eigenen workshops als auch aus anderen habe ich den eindruck gewonnen, dass das "ziel" im nebel bleibt. viele tun sich schwer, auch nur grundrisse einer zukunft jenseits des jetzt in die krise geratenen wirtschaftssystems zu benennen.

natürlich gibt es vielversprechende ansätze: annes weltretter.org geht in die richtige richtung und müsste noch viel größer werden, selbst das für meinen geschmack zu konsum-orientierte utopia.de (und vergleichbares) hilft, gemeinsam ein wenig transparenz in die nicht nachhaltige produktwelt zu bringen; dann solche aktionen wie zensursula oder die e-petition zum grundeinkommen, wo die politik direkt angegangen wird.

es gab vor zwei jahren eine kleine gruppe aus london und berlin, die wirklich "big" dachten und für mich das gegenmodell zu facebook im kopf hatten: ESPRA. habe dazu mal etwas in der taz geschrieben, http://www.taz.de/index.php?id=495&art=876&no_cache=1

das war zwar noch sehr vage, aber im prinzip ging es darum, eine web-2.0-artige infrastruktur zu schaffen, die a) auf open-source-software basiert und b) keinem unternehmen gehört. spannend daran fand ich, dass damit aktionen aller art (alltägliche handlungen, politische aktionen) gemeinsam planbar und koordinierbar wären.

leider ist bisher nichts weiter draus geworden.

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am 16.07.2009 geschrieben am 16.07.2009 geschrieben

niels boeing:

[...] es stimmt zwar, dass die vorkonfigurierten plattformen im netz vielen nicht-techies die möglichkeit geben, selbst zu publizieren und sich zu vernetzen. aber das "web der maschinen", das seit den 90ern unter der haube entstanden ist, entzieht sich mehr denn je dem verständnis eines durchschnittlichen users. hinzu kommt, dass die möglichen interaktionen von der architektur einer plattform vorgegeben sind und in nicht unerheblichem maße von den interessen des betreibers motiviert sind. dass diese interessen nicht unbedingt die der user sind, zeigt zum beispiel der (zurückgenommene) versuch von facebook, die geschäftsbedingungen so zu ändern, dass sich aus nutzerdaten kapital schlagen lässt (im wahrsten sinne des wortes).[...]

[...] wenn das web tatsächlich möglichst vielen zugute kommen soll, brauchen wir eine technische mündigkeit der user, die über das auswählen und anpassen von layout-vorlagen hinausgeht. natürlich wird nicht jeder zeit und lust haben, sich damit zu beschäftigen. aber die möglichkeit müsste da sein, sich technische grundlagen in einer allgemeinverständlichen sprache aneignen zu können.

ansonsten bleiben web-2.0-nutzer konsumenten mit der illusion, etwas bewegen zu können. diese illusion kann jederzeit platzen, wenn es einem plattform-betreiber gefällt, die nutzungsbedingungen zu verändern.


Niels, das bringt exakt zum Ausdruck, was ich selbst als einen großen Hemmschuh des Web für seine zukünftige Entwickling sehe. Immer mehr Leute werden durch die angebotenen "fertigen" Lösungen wie z.B. facebook absorbiert, etwas selber zu machen, z.B. ein eigenes Weblog zu gestalten überfordert viele immer noch technisch.

Es ist auch nicht gerade einfacher geworden. Dadurch, dass man interaktive Seiten - wie Du es nennst - eigentlich nur noch mit tiefen Kenntnissen von JavaScript/AJAX und Datenbanken bauen kann, sind gleich noch mehr Leute ausgeschlossen von der Webgestaltung. Ich empfinde es nach wie vor als Privileg, durch meine eigenen Kenntnisse eigentlich jede Idee umsetzen zu können, die ich habe. Der einzige limitierende Faktor ist dabei eigentlich Zeit und Geld, aber nicht das technische Wissen.

Aber wieviel mehr tolle Ideen könnten wohl das Licht der Welt des Web erblicken, wenn entweder das technische Wissen weiter verbreitet wäre, oder aber die Gestaltung deutlich einfacher wäre?

Ich glaube es führt kein Weg an der "technischen Mündigkeit" vorbei. Es hilft einzig, sich selbst mit der Technologie zu befassen. Man sollte sich nicht der Magie so einfach ergeben und die vorgefertigten Wege bequemer Weise entlanggehen. Wenn man etwas bewegen möchte, dann heißt das ja auch, dass man eine eigene Idee umsetzen möchte. Dafür das nötige Rüstzeug in Form von technischer Mündigkeit zusammenzustellen wäre aus meiner Sicht ein wirklich guter erster Schritt.

Es ist natürlich ein wenig wie mit dem Zitat von Karl Marx:
"Sell a man a fish, he eats for a day, teach a man how to fish, you ruin a wonderful business opportunity"

Die technische Mündigkeit würde eben einige "wonderful business opportunities" zerstören. Man stelle sich vor jeder würde seine eigene "facepage" machen statt in einem "facebook" engagiert zu sein...

Wohin die technische Unmündigkeit führt ist jedenfalls auch klar: Es wird einigen wenigen "Experten" das Feld überlassen und man macht sich unnötiger Weise abhängig von Expertenurteilen, dabei könte man sich prima selbst ein Bild von der Lage machen. Bestes Beispiel ist ja die gesamte Gesetzgebung rund um das Internet momentan, Stichwort "Zensursula".

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am 16.07.2009 geschrieben am 16.07.2009 geschrieben

Friedrich Brandi:


Ulla Keienburg*:

http://www.facebook.com/home.php#/Kelloggcares?ref=mf

Ein weiteres Beispiel, was eine soziale Kampagne im WEB 2.0 bewegen kann.


Liebe Ulla,

für mich bewegt sich da relativ wenig.

Im Zentrum steht wohl eher die Vermarktung von Kellogs.


volle zustimmung. hier wird der bock zum gärtner gemacht.

web 2.0 + soziale bewegung ist für mich eine angelegenheit der bürgergesellschaft (civil society) ohne beteiligung der üblichen großen konzerne, die teil des problems, aber bestimmt nicht teil der lösung sind. sonst wird es nichts sein, nur system-erhaltendes palaver.

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am 16.07.2009 geschrieben am 16.07.2009 geschrieben

Wer oder was entscheidet über den Erfolg einer web 2.0. Kampagne? Wer misst die Wirkung wie?


Ja: die große Frage nach den Zielen der Beteiligten sollte beantwortet sein, bevor sie die Kampagne starten. Je ehrlicher, je besser!

Welchen Gewinn hat welcher Beteiligte davon, dass Web 2.0. auch die Möglichkeit bietet, sich durch eine konkrete Nennung des Engagements hervor zu tun?



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am 16.07.2009 geschrieben am 16.07.2009 geschrieben

@Bettina Neuhaus: Herr Hellmann ist eingeladen - und dem Netzwerk beigetreten.

Austausch & Bewertungsmechanismen:
@Jan Arpe: Ich bin gespannt auf deine Session zu Bewertungsmechanismen. Ich persönlich halte nichts von Bewertungen. Jeder von uns hat aus seiner Perspektive Recht - nur einer kann sich besser ausdrücken als der andere. Daher wird auf weltretter.org nicht bewertet, mit welcher "richtigen" Idee wir die Welt retten, stattdessen werden alle konstruktiven Ideen bei der Gründung unterstützt.

Austausch & Sprache
@Ulla Keienburg: Ich denke Austausch führt zu Meinungen, aber nicht unbedingt zu Handlungen. Da sehe ich eben auch das Problem im Web2.0, wir bilden immer mehr Meinungen, und unterstützen diese mit "i like it", aber wer handelt dann in der realen Welt nachhaltig? Es ist klasse sich hier mit euch auszutauschen und seine Gedanken zu erweitern, aber nur reden verändert die Welt nicht.

Reale Bewegungen schaffen
@Anke Knopp @Friedrich Brandi: Zum Thema: nicht nur reden - sondern Machen: Ich habe weltretter.org damals aus dem Grund gegründet damit sich im Internet die Personen zusammenfinden, die dann in der realen Welt Veränderungen bewirken. Und genau beim Thema Lokalität muss ich noch weiterdenken: Zur Zeit finden Projektideen & Helfer aus ganz Deutschland zusammen, aber meist liegen sie lokal zu weit auseinander. Wenn Du ein Kernteam hast - und für einzelne Projekte einfach Masse an kurzfristigen Unterstützern brauchst, können bestehende Plattformen wie facebook, twitter, blogs zur Kommunikation genutzt werden. Mir geht es aber darum eine langfristig gedachte Struktur zu schaffen, die den Aufbau & die Projektarbeit von Kernteams unterstützt. Wie können wir die Entstehung dieser Kernteams und ihre Arbeitsstrukturen unterstützen? Welche Fragen werden bei der Gründung neuer Projekte immer wieder auftauchen? Ich bin gespannt auf den Austausch mit euch & Ideenansätze wie ich weltretter.org weiterentwickeln kann.

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